Zurück zur Übersicht

Weiterbildung: eine dramatische Situation

Zusammenbruch der Branche oder freier Fall – müßig zu überlegen, wie die dramatische Situation in der SGB-geförderten Weiterbildung beschrieben werden kann. Allein die Zahlen sprechen für sich: während noch in den neunziger Jahren im Durchschnitt über 400.000 Teilnehmer pro Jahr gefördert wurden, ist diese Zahl im 2. Quartal 2005 unter 100.000 gefallen. Nicht allein der Einbruch der Teilnehmerzahlen treibt die Branche in den Zusammenbruch: Sinkende Kostensätze und eine zunehmende, brachiale Konkurrenz zwischen den Trägern verschärfen die Situation zusätzlich.

Mit der Einführung des SGB II zum 1. 1. 2005 hat sich zwar die Haushaltssituation verbessert; jetzt stehen eigentlich ausreichend Mittel zur Verfügung, um zumindest den weiteren Niedergang aufzuhalten. Aber das passiert offensichtlich nicht. Denn einerseits sind viele ARGEn als neue Träger der Arbeitsmarktpolitik für die ALG-II-Empfänger noch nicht in der Lage, über die reine Leistungsgewährung hinaus systematisch die vorgesehenen Instrumente einzusetzen, es bleibt bei den arbeitsmarktpolitisch sinnlosen 1-€-Jobs; andererseits haben die ARGEn die restriktiven Vergabeverfahren und den Kostendruck aus dem SGB-III-Bereich übernommen.

Aber ebenso wichtig bei noch so katastrophalen Rahmenbedingungen ist die unternehmenspolitische Reaktion auf die Krise. Und da lassen sich beträchtliche Unterschiede erkennen. Da gibt es Träger, die die Betriebsräte ausführlich über Marktsituation, Unternehmenspolitik und Beteiligung an Ausschreibungen informieren; diesen Betriebsräten wachsen oftmals erweiterte Mitbestimmungsrechte zu, was in der Folge auch dazu führen kann, unangenehme und negative Konsequenzen mittragen zu müssen. Auf der anderen Seite gibt es Träger, bei denen es keinerlei Informationen gibt, es werden oftmals mehrere (natürlich nicht tarifgebundene) Tochtergesellschaften gegründet, das meist befristete Personal wird zwischen den verschiedenen Töchtern hin und her geschoben, hauptberufliches, sozialversicherungspflichtiges Personal wird entlassen und durch Honorarkräften ersetzt. Die schwierigen Rahmenbedingungen müssen dann für jede Absenkung von Gehältern und Abbau von hauptberuflich Beschäftigten herhalten. Was mancher Arbeitgeber schon lange plante, im Windschatten der Krise setzt er es durch.

Einzelbetrieblich lassen sich die Auswirkungen schon lange nicht mehr auffangen. Trotzdem ist auch entscheidend, wie der einzelne Träger unternehmenspolitisch handelt. Eine Bewältigung der Krise kann aber nur durch Druck auf die politisch Verantwortlichen und durch eine grundlegende Verbesserung der Rahmenbedingungen – in dieser Perspektive auch gemeinsam mit den Arbeitgebern – in die Wege geleitet werden.

Die Ursachen

Die dramatische Situation der SGB-III – geförderten Weiterbildung zeichnet sich einerseits durch drastisch reduzierte Weiterbildungsplätze für (erwerbslose) TeilnehmerInnen aus, andererseits durch einen großen Preisverfall in den übrigen arbeitsmarktpolitischen Dienstleistungen. Deshalb haben nahezu alle Träger massiv Kapazitäten abgebaut bzw. abbauen müssen; durch Entlassungen, oftmals Massenentlassungen, aber auch durch Insolvenzen. Die Datenlage ist ausgesprochen schlecht, aber wir gehen von einem Verlust von deutlich über 20.000 hauptberuflichen Stellen aus.

Die Ursachen liegen in der veränderten Gesetzeslage (Stichwort Hartz) und der veränderten Geschäftspolitik der Bundesagentur für Arbeit. Als zentrale Faktoren für die Krise sind zu nennen:

Die Zahl der TeilnehmerInnen im Bestand ist von ca. 300.000 im Jahr 2002 auf unter 100.000 Ende Mai 2005 gesunken. Auch ein Hinweis auf die gestiegenen Teilnehmerzahlen bei den sog. Trainingsmaßnahmen (z. Zt. über 100.000 TeilnehmerInnen) ist kein entlastendes Argument: diese Trainingsmaßnahmen (TM) haben einen völlig anderen Charakter. Die meisten TMs dauern nicht mal einen Monat, Qualifizierung spielt dort praktisch keine Rolle mehr.

Quelle. Weiterbildung aktuell 01/2005

Sie können die vollständige Ausgabe von „Weiterbildung aktuell“ hier als pdf-Datei herunterladen.

Verweise zu diesem Artikel:
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 30.04.2006

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 15.10.2018