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Wie Bildungsaufstieg gelingt: Wenn der Apfel weit vom Stamm fällt

Aufstieg durch Bildung ist eng mit dem Zugang zu Bildung verknüpft und nicht immer hält Bildung ihr Nutzenversprechen. Die neue Ausgabe 34 des Magazin erwachsenenbildung.at widmet sich den Mechanismen und Rahmenbedingungen von Aufstiegsprozessen.

„Du schaffst es nicht" – „Das hat doch keinen Wert bei ihm" – so klingt es, wenn Journalist Marco Maurer von seiner Schulzeit erzählt. Er stammt aus einer Arbeiterfamilie, hat nach vielen Misserfolgen auf dem zweiten Bildungsweg ein Studium absolviert und seine Erfahrungen 2015 als Buch veröffentlicht. „Mein Aufstieg war möglich, aber er war zu schwer", schreibt er rückblickend.

Maurers Geschichte ist typisch für Kinder aus Nicht-Akademikerfamilien, denn Bildung wird hierzulande noch immer stark vererbt. Laut der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2017" erreichen in Österreich nur 21% der 25- bis 34-Jährigen einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern – in Deutschland sind es sogar noch weniger.

Welche Mechanismen und Rahmenbedingungen dahinterstehen, wenn ein Bildungsaufstieg doch gelingt, dieser Frage widmet sich die aktuelle Ausgabe Nr. 34 des Magazin erwachsenenbildung.at (Meb) in 17 Beiträgen. Das 170 Seiten umfassende Online-Magazin ist jetzt kostenlos unter https://erwachsenenbildung.at/magazin erhältlich.

Können, Wollen und Dürfen als Bedingungen für den Aufstieg

Sozialforscher Thomas Spiegler untersucht in seinem Beitrag, warum AufsteigerInnen einen Bildungsaufstieg trotz schlechter Startbedingungen schaffen und so die „Hürden ihrer Herkunftsabhängigkeit" überwinden. Drei Aufstiegsbedingungen hat er identifiziert, nämlich Können, Wollen und Dürfen. „Gelingt es, alle Aufstiegsbedingungen herzustellen, findet ein Bildungsaufstieg statt. Wird eine Bedingung dauerhaft nicht erfüllt, bleibt der Bildungsaufstieg aus", weist Spiegler darauf hin, dass Bildungsaufstieg gerade in der Dimension des „Dürfens" eng mit dem Zugang zu Bildung verknüpft ist.

Die Rolle der Erwachsenenbildung bei Aufstiegsprozessen

Erwachsenenbildung spielt vor allem da eine Rolle für Aufstiegsprozesse, wo sie das Nachholen von Bildungsabschlüssen ermöglicht. Bildungssoziologe Wolfgang Fronek präsentiert in seinem Beitrag die Ergebnisse einer Evaluierung der Berufsreifeprüfung (Berufsmatura) in Wien. Das Programm verlangt von den Teilnehmenden ausgeprägtes Durchhaltevermögen, gutes Zeitmanagement und ein hohes Maß an Selbstorganisation. Wer diese Voraussetzungen mitbringt, profitiert jedoch, wie Fronek herausstreicht. „Die Auswertung aus 2016 zeigt, dass das Programm deutlich zu einer Erhöhung der sozialen Durchlässigkeit und zur positiven Bildungsmobilität beiträgt."

Bildung kann auch schädlich sein

Dass Bildung auch negative Seiten haben kann, streicht Bildungswissenschafterin Daniela Holzer in ihrem Beitrag hervor – und das, obwohl Bildung gegenwärtig „Inbegriff von Befreiungs- und Nutzenversprechen" zu sein scheint. Das Problem: „(Erwachsenen-)Bildung wirkt dadurch alternativlos". Dabei habe Bildung nicht nur Vorteile, sie könne sogar schädlich sein. Finanzielle Engpässe, Verzicht auf soziale Bedürfnisse oder steigender Konkurrenzdruck sind nur einige Symptome der negativen Seiten von Bildung, so Holzer. Sie plädiert dafür, den kritischen Blick auf Bildung nicht zu verlieren, um so zu neuen Erkenntnissen zu gelangen.

Fachmedium und aktuelle Online-Information

Magazin erwachsenenbildung.at (Meb) das Fachmedium für Forschung, Praxis und Diskurs der österreichischen Erwachsenenbildung. Es wird vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Erwachsenenbildung dreimal jährlich herausgegeben. Für die Redaktion verantwortlich ist CONEDU – Verein für Bildungsforschung und -medien. Die eingereichten Artikel werden dem Review eines Fachbeirates unterzogen, der mit ExpertInnen aus Wissenschaft, Praxis und Medien besetzt ist.

Das aktuelle Magazin erscheint parallel zur kostenlos unter https://erwachsenenbildung.at/magazin erhältlichen Online-Ausgabe auch im BoD-Verlag und ist so als Druckausgabe zum Selbstkostenpreis von EUR 14,99 oder als preiswertes E-Book erhältlich.



Quelle: 29.06.2018, Text: Karin Kulmer, Online-Redaktion von erwachsenenbildung.at, veröffentlicht unter der (CC BY 4.0) Lizenz.

Schlagworte zu diesem Beitrag: Weiterbildung, Volkshochschule
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 11.07.2018

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 19.09.2018