Nachrichten-Archiv

Zurück zur Übersicht

Buntenbach: Arbeitslose brauchen Weiterbildung statt Niedriglohnjobs

„Es ist erfreulich, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise bisher nicht stärker auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen hat. Das liegt ganz wesentlich an der funktionierenden Sozialpartnerschaft, die über Instrumente wie Kurzarbeit und flexible Arbeitszeitregelungen einen großen Teil der drohenden Entlassungen bislang vermeiden konnte.

Aber wir dürfen nicht übersehen, dass die Krise die Spaltung am Arbeitsmarkt weiter verschärft hat: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitarbeitsplätze ist um 140.000 zurückgegangen, während Teilzeit und prekäre Beschäftigung weiter zunehmen. Für eine exportorientierte, moderne Wirtschaft ist das der falsche Weg.

Die Zahl der Menschen in geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen liegt bereits um acht Prozent unter Vorjahresniveau. Besonders stark waren die Rückgänge bei der beruflichen Weiterbildung, die um über 25 Prozent zurückgegangen sind. Ich warne die Bundesregierung dringend davor, die Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik weiter zu kürzen. Wenn die Weiterbildung vernachlässigt wird, droht ein Fachkräftemangel bei gleichzeitig hoher Arbeitslosigkeit. Anstatt sinnlose Ein-Euro-Jobs zu finanzieren, muss mehr für die Weiterbildung getan werden, dies gilt vor allem für abschlussbezogene Maßnahmen. Es ist ein Irrweg, die gering qualifizierten Arbeitslosen vor allem auf Niedriglohn-Jobs zu verweisen.


Quelle: Pressemeldung des DGB vom 1. Juni 2010


Anmerkung der Redaktion

Zwischenzeitlich hat die Redaktion Hinweise darauf erhalten, dass zumindest örtlich ein starker Rückgang bei der Ausgabe von Bildungsgutscheinen zu verzeichnen ist. Auch die Ausgaben der BA haben im Bereich der beruflichen Weiterbildung im ersten Quartal 2010 einen deutlichen Knick nach unten gemacht.



2009 gab die BA insgesamt 1.071 Mio Euro für Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung aus. Das entspricht einem quartalsmäßigen Durchschnitt von 268 Mio. Euro. Im ersten Quartal 2010 waren es 195 Mio. Euro oder gut 27 % weniger.

Da stellt sich die Frage, ob die vermehrten Anstrengungen der BA bei der beruflichen Weiterbildung in 2009 lediglich der Bundestagswahl geschuldet waren. Nach den Zahlen des zweiten Quartals 2010 werden wir mehr wissen.

Die Redaktion würde sich über Zuschriften freuen, die Hinweise darauf enthalten, wie sich die Entwicklung der Ausgabe von Bildungsgutscheinen durch die BA aktuell entwickelt.

Peter Schulz-Oberschelp
Netzwerk-Weiterbildung

Schlagworte zu diesem Beitrag: Öffentliche Beschäftigungspolitik, Berufliche Weiterbildung
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 03.06.2010

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 10.12.2018