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.info netzwerk-weiterbildung 06/09

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Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen,

die Bundestagswahlen und die Koalitionsverhandlungen sind vorueber. Bleibt die Frage, welche Impulse die neue Bundesregierung in Sachen Weiterbildung setzen will. Unter dem Stichwort "Lebensbegleitendes Lernen" finden sich im Koalitionsvertrag unter dem Kapital Bildung ganze 4 Absaetze mit 19 Zeilen zum Thema Weiterbildung. Das Thema "Lebensbegleitendes Lernen" wird dort als gesamtgesellschaftliche Aufgabe bezeichnet. Die neue Bundesregierung will eine Weiterbildungsallianz aus "Sozialpartnern, den Laendern, der Bundesagentur fuer Arbeit und den Weiterbildungstraegern" schmieden. Zudem moechte sie die Bildungsberatung verbessern.

Wirklich neue Ansaetze in Sachen Weiterbildungsfoerderung sind nicht zu erkennen. Unter dem Deckmantel der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe wird das Thema an Dritte, z. B. die Tarifvertragsparteien delegiert. Von einer vierten Saeule des Bildungssystems, den die Weiterbildung einnehme und die entsprechend gestaerkt werden muss, ist nicht mehr die Rede. Offensichtlich sollen runde Tische zur Weiterbildung fehlende eigene Anstrengungen der Bundesregierung bei der Gestaltung der Weiterbildungsmoeglichkeiten ersetzen.

Immerhin hat der Verwaltungsrat der Bundesagentur fuer Arbeit (BA) beschlossen, die Mittel fuer Qualifizierungsmassnahmen im Haushalt 2010 nicht zu kuerzen. Fuer das Programm "Weiterbildung gering Qualifizierter und beschaeftigter Aelterer in Unternehmen (WeGebAU)" sind wie im Vorjahr 400 Millionen Euro vorgesehen. Fuer die Fortbildung waehrend Kurzarbeitergeldbezuges hat der Verwaltungsrat 100 Millionen Euro und fuer die Qualifizierung von wiedereingestellten Leiharbeitnehmern 25 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt.

Doch bereits jetzt fordern Vertreter der Industrie, die Mittel fuer Qualifizierungsmassnahmen bei der BA massiv zu kuerzen. So sieht Hans-Peter Keitel, Vorsitzender des Bundesverbandes der Industrie (BDI) in der Welt-online vom 1. November 2009 "gewaltige Einsparpotentiale" bei den Sozialsystemen. "Wenn ich frage, wo kommen die Arbeitskraefte her, sagen mir die Unternehmer, eben nicht ueber die Arbeitsagenturen." Dort werde aber sehr viel Geld fuer die Weiterbildung und Qualifizierung ausgegeben. "Das passt doch nicht zusammen", so Keitel. Keitel will die Kosten der beruflichen Weiterbildung privatisieren. Beschaeftigte und Erwerbslose sollen fuer die Weiterbildung zahlen. Denn dass Weiterbildung langfristig der beste Weg zur Beschaeftigungssicherung darstellt, ist auch ihm bekannt.

Die kuenftige Entwicklung der Weiterbildung, insbesondere was die Foerderung von Weiterbildungsmassnahmen angeht, bleibt unklar. Zwischen dem Ruf nach verstaerkten Anstrengungen in der Weiterbildung und den Hilfen zur Weiterbildung klafft weiter eine grosse Luecke.


Weitere Inhalte:

1. Gefoerderte berufliche Weiterbildung - Chancen werden vertan
2. Foerderung der Weiterbildung waehrend der Kurzarbeit wird kaum genutzt
3. Problem: Qualitaetsmanagement
4. Termine
5. Impressum
6. .info Netzwerk-Weiterbildung abonnieren und kuendigen


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1. Gefoerderte berufliche Weiterbildung - Chancen werden vertan
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Die Bundesagentur fuer Arbeit (BA) hat im Haushalt 2010 die Mittel fuer Qualifizierungsmassnahmen auf dem Niveau von 2009 beibehalten. Die Unternehmen koennen vielfaeltige Angebote nutzen, um die Beschaeftigten weiterzubilden. Doch zu wenige Unternehmen nutzen bisher die Moeglichkeiten der gefoerderten beruflichen Weiterbildung.

Die sopo aktuell vom 24. November setzt sich insbesondere mit der Qualifizierungsfoerderung nach dem Konjunkturpaket II, aber auch mit der gefoerderten Qualifizierung insgesamt auseinander. Die Zeit des Auftragsmangels fuer eine Qualifizierung zu nutzen, ist zweifellos sinnvoll. Dennoch halten sich viele Unternehmen hier zurueck.

Auf der Seite Foerderung der beruflichen Weiterbildung koennen Sie die vollstaendige Ausgabe von sopo aktuell als pdf-Datei herunterladen.


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2. Foerderung der Weiterbildung waehrend der Kurzarbeit wird kaum genutzt
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In einer Grossen Anfrage an den Bremer Senat wollte die Fraktion DIE LINKE wissen, in welchem Umfang die Foerdermoeglichkeiten zur Weiterbildung waehrend der Kurzarbeit von den Betrieben genutzt werden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Foerdermoeglichkeiten von den Betrieben kaum in Anspruch genommen werden.

In Bremen gab es im ersten Halbjahr 2009 gerade 750 gefoerderte Faelle von Weiterbildung, bei insgesamt gemeldeten 85.844 Kurzarbeitern. Da die Zahl der gemeldeten Kurzarbeiter monatlich erfolgt und nicht die Zahl der Betroffenen angibt (wer mehrere Monate in Kurzarbeit ist, wird mehrfach gezaehlt), ist ein Vergleich mit dem Hoechststand im Mai 2009 interessant. Da waren 21.201 Beschaeftigte in Kurzarbeit. Danach muesste die Zahl der an Qualifizierungsmassnahmen teilnehmenden Kurzarbeiter zwischen 1 und 3 Prozent liegen.

Den vollstaendigen Wortlaut der Kleinen Anfrage und die Antwort des Bremer Senats finden Sie auf der Seite Foerderung der beruflichen Weiterbildung .


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3. Problem: Qualitaetsmanagement
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Spaetestens mit der AZWV (Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung) hat das Qualitaetsmanagement seinen Siegeszug auch in der Weiterbildung angetreten. Was aber misst das Qualitaetsmanagement (QM) in der Weiterbildung? Bleibt bei der Bearbeitung der Vielzahl von Prozessdokumenten und der Darstellung der Prozessablaeufe gar die Qualitaet auf der Strecke? Hilft der Prozess der Differenzierung von Arbeitsschritten, Fehler in Zukunft zu vermeiden oder ist er nicht vielmehr die Quelle neuer Fehler im System?
Einem Lehrer, der seine Zeit heute mehr denn je fuer die Einarbeitung in immer neue schulpaedagogische Konzepte, fuer immer neue "Foerderungs- und Forderungsprogramme", fuer die Fuehrung von immer detaillierteren Schuelerbewertungsboegen benoetigt, sollten Schueler nicht unnoetig im Wege stehen. Schliesslich symbolisiert ja gerade der Schueler - vor allem aus Sicht der QM-begeisterten Schulbehoerden - den ungewollten End- und Angelpunkt, der einem klar differenzierten Vorgehen letztlich fundamental entgegensteht. Ist QM wirklich der Schluessel zur Loesung der Qualitaetsprobleme in einer Dienstleistung am Menschen, die erfolgreiche Weiterbildung immer sein wird?

Bettina Warzecha hat eine kleine Streitschrift wider die Mythen des Qualitaetsmanagement geschrieben. Eine Kurzfassung des Buches "Problem: Qualitaetsmanagement" wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten.

Die Kurzfassung des Buches "Problem: Qualitaetsmanagement" koennen Sie auf der Seite Tipps und Hilfen als pdf-Datei herunterladen. Dort finden sie auch einen Link zur Homepage von Bettina Warzecha mit weiteren Informationen zum Thema Qualitaetsmanagement.


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4. Termine
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Bildungsberatung und Kompetenzentwicklung

Das Bildungswerk ver.di bietet eine praxisbegleitende Weiterbildung fuer in der Beratung Taetige an. Das Angebot richtet sich an MitarbeiterInnen von:
* Beschaeftigungstraegern
* Arbeitsagenturen und ARGEn
* Weiterbildungseinrichtungen
* Gewerkschaften
* Kammern
* Einrichtungen der Weiterbildungsberatung
* Schulen und Hochschulen
* sowie an BeraterInnen und TrainerInnen

Ziel der praxisorientierten Weiterbildung ist es, die handlungsbezogenen Faehigkeiten der beratend Taetigen
in der Bildungsberatung auszubauen und ihr spezielles Wissen zu erweitern. Die Weiterbildung zielt auf die Professionalisierung der Beraterinnen und Berater. Dabei liegt das Augenmerk v. a. auch auf der Vernetzung der Beratungstaetigkeit mit anderen Taetigkeiten und Institutionen.

Weitere Informationen zu dieser Weiterbildung finden Sie auf der Seite Regionale Termine .


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5. Impressum
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Herausgeber
Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft e.V, .Landesbezirk Niedersachsen Bremen
Projekt Netzwerk Weiterbildung
Brigitte Schuett
Landesfachbereichsleiterin Bildung Wissenschaft Forschung
Goseriede 10
30159 Hannover

Redaktion: Peter Schulz-Oberschelp
mail to: mailto:mail@netzwerk-weiterbildung.info


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6. .info netzwerk-weiterbildung abonnieren und kuendigen
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Das .info netzwerk-weiterbildung ist ein kostenloser Service fuer die Beschaeftigten in der Fort- und Weiterbildungsbranche. Wenn sie in den Verteiler aufgenommen werden wollen oder wenn sie in Zukunft dieses Info nicht mehr zugeschickt bekommen wollen gehen sie bitte auf die Internet-Seite oder schicken sie eine e-mail an mailto:info@netzwerk-weiterbildung.info



Schlagworte zu diesem Beitrag: Öffentliche Beschäftigungspolitik
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 09.12.2009

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 19.11.2018