Berufliche Weiterbildung

Die Unternehmen fordern vermehrt Anstrengungen der Beschäftigten in Weiterbildung und Lebenslangem Lernen. Strittig ist vor allem, wer die Kosten der Maßnahmen tragen soll. Die Unternehmen erwarten von den Beschäftigten, mindestens den Zeitaufwand der Weiterbildung als eigenen Anteil einzubringen.

Tarifvertragliche Regelungen werden dagegen häufig abgelehnt. Die Unternehmen wollen die Möglichkeit zur Teilhabe an Weiterbildung lediglich durch ihre betrieblichen Interessen bestimmt sehen. Den Abschluss von Tarifverträgen zur Weiterbildung wird diese Haltung nicht fördern.



Vorreiter im Bereich Digitalisierung investieren mehr in Weiterbildung als andere Betriebe

(20.11.2018) Digitalisierung und Arbeitswelt 4.0 gelten als Stichworte für eine sich massiv verändernde Produktions- und Prozessstruktur bei der Erstellung von Waren und Dienstleistungen. Neben dem unmittelbaren Arbeitsbereich sollen insbesondere auch die Aus- und Weiterbildung stark durch die Änderungen betroffen sein.

Eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) veranschaulicht, in welcher Form und in welchem Umfang die neuen IT-Systeme sich in der Aus- und Weiterbildung auswirken. Bei den untersuchten Betrieben erklärten 31 Prozent, verstärkt in die Weiterbildung zu investieren. Bei der Ausbildung gaben das nur 18 Prozent an. Umgekehrt gaben 18 Prozent an, in den letzten fünf Jahren weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen zu haben. Einen Rückgang in der Weiterbildung haben nur zwei Prozent der Betriebe mitgeteilt. „Außerdem fällt auf, dass die Unterschiede zwischen Betrieben, die in Digitalisierung investiert haben und denen, die in den letzten Jahren nicht in diese Technologien investiert haben, deutlich größer sind, was den Anstieg der Weiterbildung (im Vergleich zum Anstieg der Ausbildung) betrifft.“

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Kernforderungen des DGB und der Gewerkschaften zur Novellierung des Berufsbildungsgesetzes

(19.11.2018) Die Bundesregierung will das Berufsbildungsgesetz (BBiG) novellieren. Ein neues Gesetz soll bis zum 1. August 2019 beschlossen werden und zum 1. Januar 2020 in Kraft treten. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften begrüßen die geplante Weiterentwicklung des für die Berufsbildung maßgeblichen BBiG. Die duale Berufsausbildung schafft hohe Übergangsquoten in den Arbeitsmarkt und mindert Jugendarbeitslosigkeit.

Dabei ist berufliche Bildung nicht in erster Linie Qualifizierung für Technik. Die berufliche Bildung soll vor allem auch der Förderung der Persönlichkeitsentwicklung dienen. Das Ziel ist, die Auszubildenden und Beschäftigten in die Lage zu versetzen, kompetent, kreativ, selbstbestimmt und solidarisch mit neuen und auch komplexen Herausforderungen umgehen zu können.

DGB und Gewerkschaften erwarten von der Bundesregierung, dass sie mit der Novellierung die Qualität der Aus- und Fortbildung spürbar verbessert, indem sie die Attraktivität der beruflichen Bildung im Sinne der Auszubildenden, der dual Studierenden und Teilnehmerinnen und Teilnehmern von Fortbildungslehrgängen erhöht, Durchlässigkeit und Transparenz herstellt und die sozialpartnerschaftliche Mitbestimmung in der Berufsbildung stärkt. Mit den folgenden Kernpunkten kann die anstehende Novellierung des Berufsbildungsgesetzes für eine moderne und attraktive Berufliche Bildung gelingen.

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Bundesregierung will eine neue Weiterbildungskultur etablieren und qualifizierte Zuwanderung fördern

(13.11.2018) Alle paar Wochen benötigten gängige Smartphones ein neues Update. Nach Ansicht der Bundesbildungsministerin Anja Karliczek „ein Zeichen, wie zügig Fortschritt stattfindet“. Da benötige jede/r regelmäßig ein Update für seinen Arbeitsalltag. Zudem müsse dem Mangel an ausgebildeten Arbeitskräften mit einer ausgefeilten Fachkräftestrategie begegnet werden. In dieser Strategie bilde die Weiterbildung „ein Kernelement“.

Anpassungsprozesse der Wirtschaft bestimmen in dieser Sichtweise die Inhalte von Bildung und Lernen. Karliczek weiter: „Auch der Arbeitsalltag eines jeden Einzelnen verändert sich und verlangt Updates. Mir ist wichtig, dass wir jedem Einzelnen mit guten Weiterbildungschancen das passende Update anbieten können.“

Eine neue Weiterbildungskultur nennt das die Bundesregierung. Und macht sich auf den Weg zu „einer Nationalen Weiterbildungsstrategie“. „Fort- und Weiterbildungen müssen für jeden Einzelnen eine Selbstverständlichkeit werden!“, so Karliczek. Hubertus Heil als Sozialminister pflichtet ihr bei und meint gar: „Deutschland muss noch stärker als bisher zu einem Qualifizierungsland werden, zu einem Land des Lernens.“

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Soziales Umfeld entscheidend für Berufswahl von Jugendlichen

(06.11.2018) Was veranlasst Jugendliche dazu, eine Ausbildung im dualen System und hier insbesondere im Handwerk zu beginnen? Das wollten die Autoren einer neuen Studie wissen, die jetzt beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)erschienen ist.

Neben dem Gehalt spielt nach der Studie das private Umfeld eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für oder gegen eine Ausbildung im Handwerk. Sie wollen mit ihrer Berufswahl „in ihrem sozialen Umfeld“ punkten, so die Autoren.

Allerdings lassen sich die Entwicklungen im Schulbereich nicht wegdiskutieren. Viele Schulabgänger hätten inzwischen einen Hochschulabschluss in der Tasche. 2015 überflügelten die Abiturienten die Schulabgänger mit einem Hauptschulabschluss. 2017 gab es bei 172.900 Abiturienten lediglich 152.000 Schulabgänger mit Hauptschulabschluss. „Um ihre Rekrutierungschancen zu verbessern, müssen die Handwerksberufe somit insbesondere auch für Jugendliche mit höheren Schulabschlüssen attraktiver werden.“ Die Autoren untersuchen in ihrer Studie, wie das gelingen könnte.

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Weiterbildung für (fast) alle – Gesetz will neue Perspektiven bieten

(19.10.2018) Weiterbildung für Alle ist nicht nur zu einer entscheidenden Frage der Innovationsfähigkeit des Landes, sondern immer mehr auch zu einer Frage von sozialer Gerechtigkeit geworden. In diesem Zusammenhang reicht das geplante Qualifizierungschancengesetz „letztendlich nicht aus, um die Veränderungen in der Arbeitswelt für die Beschäftigten positiv zu begleiten.“ Zu dieser Einschätzung gelangt das Ressort „Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik“ von ver.di in der sopoaktuell 276.

Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung und Förderung. Weiterbildung ist nach wie vor selektiv und verstärkt die soziale Ungleichheit. Der geplante Rechtsanspruch auf Weiterbildungsberatung ist ein Schritt in die richtige Richtung, reicht aber bei weitem nicht aus, um „in Deutschland eine verbesserte Weiterbildungskultur zu etablieren“.

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Neuausrichtung der beruflichen Weiterbildung erforderlich

(16.10.2018) Auf der Abschlussveranstaltung des vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „Innovative Ansätze einer zukunftsfähigen beruflichen Weiterbildung (InnovatWB)“ waren sich die anwesenden Bildungsexpert*innen einig: Sie meinten, die berufliche Weiterbildung müsse neu ausgerichtet werden, „um den technologischen und gesellschaftlichen Wandel bewältigen und gestalten zu können.“

Bei InnovatWB haben beteiligte Wissenschaftler*innen und Weiterbildner gemeinsam „drei Jahre lang in 34 Projekten Grundlagen und Konzepte für eine zukunftsfähige berufliche Weiterbildung erforscht, entwickelt und erprobt. Die Projekte haben innovative Konzepte umgesetzt, mit denen lebensbegleitendes Lernen als selbstverständlicher Teil in Bildung- und Erwerbsbiografien integriert werden kann.“

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165.000 Menschen durch das Aufstiegs-BAföG gefördert

(11.07.2018) Die neue Bundesbildungsministerin Karliczek ist vom Aufstiegs-BAföG überzeugt und will das System weiter ausbauen. Nachdem das Statistische Bundesamt die amtlichen Zahlen für die Förderung der beruflichen Aufstiegsfortbildung für 2017 veröffentlicht hatte, erklärte Karliczek: „Die positiven Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen: Das Aufstiegs-BAföG ist das größte berufliche Karriereprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Ich freue mich, dass 165.000 Menschen gefördert wurden.“

Die Zahl der geförderten Teilnehmer*innen an beruflicher Fortbildung war 2017 um etwa 1,7 Prozent auf 165.000 Förderfälle gestiegen. Damit ist die Zahl der Förderungen nach zwei Jahren wieder angestiegen.

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Deutschland auf dem Weg zur Bildungsrepublik?

(11.06.2018) Das Ressort Bildungspolitik in ver.di hat eine Stellungnahme zur Bildungspolitik im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung erarbeitet. Dem Ansatz, der Bildungspolitik einen deutlich höheren Stellenwert zuzuschreiben, wird positiv bewertet.

„Die Struktur der Vereinbarung ist allerdings wenig transparent. So werden Bildungsthemen einerseits in verschiedenen Abschnitten der Koalitionsvereinbarung abgehandelt – vorrangig in IV. „Offensive für Bildung, Forschung und Digitalisierung“ aber auch in V. „Gute Arbeit, breite Entlastung und soziale Teilhabe sichern“ – sowie am Rande auch in weiteren Abschnitten. Zum anderen werden meist kleinteilig einzelne Vorschläge unterbreitet, die unsystematisch präsentiert werden. Die in den einzelnen Abschnitten zu Bildung aufgeführten Punkte wirken daher zum Teil wie eine Ansammlung verschiedener, unsortierter Vorhaben.“

Wir dokumentieren hier den Bereich zur Weiterbildung.

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Esser: „Berufsbildung muss Taktgeber für Arbeitswelt der Zukunft sein!“

(11.06.2018) Der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Friedrich Hubert Esser, fordert auf dem BIBB-Kongress 2018 in Berlin eine deutliche Stärkung der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Kein Bildungs- und Qualifizierungsweg sei besser geeignet, die „Menschen auf die betrieblichen Anforderungen von morgen vorzubereiten“, so Esser.

Besonders die Bedeutung der Weiterbildung werde in einer digitalen Arbeitswelt zunehmen. Darin sei sich der Kongress einig gewesen. „Wir müssen die berufliche Weiterbildung jedoch stärker arbeitsplatz- und arbeitsprozessorientiert organisieren. Denn nur so können wir das Ziel erreichen, Deutschland zum Weiterbildungs-Weltmeister zu machen.“

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Einfache Arbeiten verhindern Teilnahme an beruflicher Weiterbildung

(22.05.2018) Geringqualifizierte Beschäftigte nehmen weiterhin deutlich seltener an beruflicher Weiterbildung teil als höher qualifizierte erwerbstätige. Mit einer neuen Studie wollte das Institut der deutschen Wirtschaft den Gründen für die geringere Weiterbildungsteilnahme genauer ermitteln. Und es wurde fündig.

Demnach besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Art der Tätigkeit und der Beteiligung an Weiterbildung. Einfach gesagt lautet die Formel: Je monotoner die Arbeit, umso geringer die Weiterbildungsaktivitäten. „Geringqualifizierte, die wenig Einfacharbeit ausüben, bilden sich signifikant häufiger weiter als Geringqualifizierte mit einem hohen Mas von Einfacharbeit“, so die Autor*innen der Studie. Einfacharbeit sei geprägt von Routineaufgaben, bei denen „alle Einzelheiten der Aufgabenerfüllung vorgegeben sind“. Solche Tätigkeiten benötigten keine Ausbildung und Fachkenntnisse. Und eben auch keine Weiterbildung, könnte man hinzufügen.

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Digitalisierung erleichtert die Weiterbildung

(30.04.2018) Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) befragt alle drei Jahre Unternehmen zu ihren Weiterbildungsaktivitäten. Der Schwerpunkt der aktuellen Befragung lag auf Weiterbildungsaktivitäten, die durch die Digitalisierung in der Weiterbildung auftreten. Das betrifft Änderungen von Weiterbildungsangeboten, aber auch die Bedeutung der Weiterbildung bei der Änderung von Arbeitsabläufen.

Die Digitalisierung erhöht die Anpassungsbedarfe von bereits erworbenen Qualifikationen. Wer seine Beschäftigungsfähigkeit dauerhaft erhalten will, der müsse sich mehr und häufiger weiterbilden. So fordere die Digitalisierung „höhere Anforderungen an (die) Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit sowie Selbstständigkeit und Planungskompetenz“. Die Änderung von Arbeitsabläufen und Herstellungsverfahren führe dazu, dass alte Tätigkeiten wegfallen und durch „gänzlich neue Tätigkeiten ersetzt werden“. Dadurch entstehe ein erhöhter Bedarf an Weiterbildung, der nach Ansicht des IW „kaum für einen Zeithorizont von mehreren Jahren erschöpfend geplant werden kann. Vielmehr kann angenommen werden, dass unternehmensspezifische Weiterbildungen kurzfristig an sich wandelnde Geschäftsmodelle angepasst werden müssen“.

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Qualität beruflicher Weiterbildung

(14.03.2018) „Angesichts einer sich verändernden Arbeitswelt gewinnt berufliche Weiterbildung im Kontext lebenslangen Lernens zunehmend an Bedeutung. Einmal erworbene Kompetenzen reichen nicht mehr aus, um den neuen und immer komplexer werdenden Anforderungen im Beschäftigungssystem begegnen zu können. Berufliche Weiterbildung ist ein wichtiger Schritt zur Weiterentwicklung der Beschäftigungsfähigkeit jeder und jedes Einzelnen sowie zur Weiterentwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft.“ Das schreibt Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB), im Vorwort der Checkliste: Qualität beruflicher Weiterbildung.

Das BiBB will Interessierten an beruflicher Weiterbildung mit der Broschüre Hilfen an die Hand geben, die die Entscheidung für eine Weiterbildung erleichtern sollen.

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Akademisierung: Eine wirklich starke Herausforderung für Betriebe, Hochschulen und Gewerkschaften

(05.01.2018) Betriebe hätten kein Interesse mehr an der dualen Berufsausbildung. Ihren Bedarf an Fachkräfte deckten sie durch immer mehr Hochschulabsolventen. Auf der schulischen Seite laufen den Haupt- und Realschulen die Schüler*innen weg. Doch gerade aus diesen Schulzweigen kamen in der Vergangenheit die Teilnehmer*innen an dualen Ausbildungsgängen. Während die Abiturienten lieber ein Studium absolvierten. Dazu kommen inzwischen viele Angebote, die betriebliche und die Ausbildung an der Hochschule durch duale Studiengänge zu verbinden.

„Die Folge ist naheliegend, man nennt es dann nicht mehr Verdrängung, sondern Substitution. Allerdings ist die Substitution, akademische Bildungsgänge ersetzen beruflicher Bildung, nur ein mögliche Entwicklung. Denkbar ist auch, dass die Arbeitslosenquote von Akademikern steigt und es kommt zu unterwertiger Beschäftigung. Akademisierung betrifft nicht nur die duale Berufsausbildung, auch die Hochschulen verändern sich.“ So steht es im Editorial der neuen Ausgabe von DENK-doch-MAL.de. Die Autor*innen richten ihren Blick auf einige Facetten der veränderten Bildungsströme.

Und sie fragen: „Was ist dran am Untergang der dualen Berufsausbildung?
Und: Ist das duale Studium nicht eine sehr vielversprechende Alternative?“

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Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 10.12.2018