Förderung der beruflichen Weiterbildung

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) ist als Träger der aktiven Arbeitsmarktpolitik für die Förderung der beruflichen Weiterbildung zuständig.

Die Hartz-Gesetze haben zu einer deutlichen Verringerung der öffentlich geförderten beruflichen Weiterbildung geführt. Gesetzlich verankert ist die aktive Arbeitsmarktpolitik im SGB III und II.

Wir beobachten, berichten und kommentieren die Entwicklung der Förderung der beruflichen Weiterbildung aus Sicht der von arbeitsmarktpolitischen Entscheidungen Betroffenen und der Interessen der in den Trägern Beschäftigten.



Wenn Erwerbslose an Weiterbildung teilnehmen, profitieren davon auch ihre Kinder

(11.12.2018) Wenn die Eltern häufiger erwerbslos waren, sind auch die Kinder später stärker von Erwerbslosigkeit betroffen. In der Forschung nennt sich dieser Effekt „Übertragung von Arbeitsmarktrisiken“. Bekannt ist zudem, dass Weiterbildung die Chancen auf sozialversicherungspflichtige Beschäftigung deutlich erhöhen.

Die Arbeitsmarktforscherin Cordula Zabel wollte wissen, ob sich dieser positive Effekt von Weiterbildung nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kinder lohnt. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder von mit beruflicher Weiterbildung geförderten Eltern „eine Ausbildung und üben öfter eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit aus als die Kinder einer Vergleichsgruppe von Arbeitslosengeld-II-Empfängern“.

„Insgesamt weisen die Ergebnisse bereits vorliegender Studien darauf hin, dass es sich lohnt, in die Weiterbildungs- und Beschäftigungschancen von ALG-II-Beziehenden zu investieren. Diese Studie zeigt, dass neben den positiven Beschäftigungseffekten für die Teilnehmenden selbst eine Maßnahmeteilnahme auch die Weitergabe von Arbeitsmarktrisiken an die nächste Generation verringert“, so Zabel im IAB-Kurzbericht 27/2018.

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Arbeitsplatz Weiterbildung im Blick!

(27.11.2018) Fachtagung für Betriebsräte, Mitarbeitervertretungen und SBV in der Weiterbildung und der beruflichen Rehabilitation in Zeiten der Digitalisierung.

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Im Gesetz fehlt es vor allem an rechtlichen Ansprüchen zur Weiterbildung

(19.11.2018) Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber haben zukünftig einen Rechtsanspruch darauf, sich von den Arbeitsagenturen in Fragen der Weiterbildung und Qualifizierung beraten zu lassen. Zudem wird die Förderung der beruflichen Weiterbildung von Beschäftigten bei Fortbestand ihres Arbeitsverhältnisses ausgeweitet. Zukünftig können mehr Beschäftigte gefördert werden, da die Fördervoraussetzungen weiter gefasst werden. Diese beiden Neuerungen stellen einen bedeutsamen arbeitsmarktpolitischen Fortschritt dar. Weiterbildungsberatung und die ausgeweiteten Qualifizierungsmöglichkeiten für Beschäftigte tragen dazu bei, dass Beschäftigte die neuen Anforderungen aufgrund der Digitalisierung und des Strukturwandels besser meistern können und Arbeitslosigkeit präventiv vermieden werden kann.

Der DGB fordert jedoch, die neue Weiterbildungsberatung und die neuen Fördermöglichkeiten der Weiterbildung auch mit Rechtsansprüche auf Fördermaßnahmen zu verknüpfen: Ist eine Qualifizierung notwendig, um einen neuen Arbeitsplatz zu finden oder um Beschäftigung zu erhalten und Arbeitslosigkeit zu vermeiden, dann sollte auch ein Anspruch auf eine entsprechende Fördermaßnahme bestehen. Arbeitslose und Beschäftigte ohne (verwertbaren) Berufsabschluss sollten auf jeden Fall das Angebot bekommen, einen Abschluss nachholen zu können.

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Bundesregierung will eine neue Weiterbildungskultur etablieren und qualifizierte Zuwanderung fördern

(13.11.2018) Alle paar Wochen benötigten gängige Smartphones ein neues Update. Nach Ansicht der Bundesbildungsministerin Anja Karliczek „ein Zeichen, wie zügig Fortschritt stattfindet“. Da benötige jede/r regelmäßig ein Update für seinen Arbeitsalltag. Zudem müsse dem Mangel an ausgebildeten Arbeitskräften mit einer ausgefeilten Fachkräftestrategie begegnet werden. In dieser Strategie bilde die Weiterbildung „ein Kernelement“.

Anpassungsprozesse der Wirtschaft bestimmen in dieser Sichtweise die Inhalte von Bildung und Lernen. Karliczek weiter: „Auch der Arbeitsalltag eines jeden Einzelnen verändert sich und verlangt Updates. Mir ist wichtig, dass wir jedem Einzelnen mit guten Weiterbildungschancen das passende Update anbieten können.“

Eine neue Weiterbildungskultur nennt das die Bundesregierung. Und macht sich auf den Weg zu „einer Nationalen Weiterbildungsstrategie“. „Fort- und Weiterbildungen müssen für jeden Einzelnen eine Selbstverständlichkeit werden!“, so Karliczek. Hubertus Heil als Sozialminister pflichtet ihr bei und meint gar: „Deutschland muss noch stärker als bisher zu einem Qualifizierungsland werden, zu einem Land des Lernens.“

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10 Milliarden Euro für arbeitsmarktpolitische Aufgaben

(12.11.2018) Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat ihren Haushalt für 2019 beschlossen. Trotz einer Beitragssenkung um 0,5 Prozentpunkte steigen die Mittel für Weiterbildungsmaßnahmen von 1,66 Milliarden auf 2,10 Milliarden.

Mit dem geplanten Qualifizierungschancengesetz kann die BA nach eigenen Angaben Beschäftigte und Arbeitgeber noch umfangreicher bei Qualifizierungsmaßnahmen finanziell unterstützen und mit ihrer Arbeitsmarkt- und Qualifizierungsberatung bzw. Weiterbildungsberatung begleiten.

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Weiterbildung für (fast) alle – Gesetz will neue Perspektiven bieten

(19.10.2018) Weiterbildung für Alle ist nicht nur zu einer entscheidenden Frage der Innovationsfähigkeit des Landes, sondern immer mehr auch zu einer Frage von sozialer Gerechtigkeit geworden. In diesem Zusammenhang reicht das geplante Qualifizierungschancengesetz „letztendlich nicht aus, um die Veränderungen in der Arbeitswelt für die Beschäftigten positiv zu begleiten.“ Zu dieser Einschätzung gelangt das Ressort „Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik“ von ver.di in der sopoaktuell 276.

Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung und Förderung. Weiterbildung ist nach wie vor selektiv und verstärkt die soziale Ungleichheit. Der geplante Rechtsanspruch auf Weiterbildungsberatung ist ein Schritt in die richtige Richtung, reicht aber bei weitem nicht aus, um „in Deutschland eine verbesserte Weiterbildungskultur zu etablieren“.

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Deutscher Volkshochschul-Verband fordert Ausbau der Arbeitsförderung

(18.10.2018) Bundesweit können mehr als 7,5 Millionen Erwachsene nicht ausreichend lesen und schreiben. Unter ALG-Beziehern beträgt die Quote sogar knapp 36 Prozent. Sofern Betroffene im Erwerbsleben stehen, gehen sie meist einfachen Tätigkeiten nach. Ihr Einkommen reicht oft nicht zum Leben, berufliche Aufstiegschancen sind gering.

Der Deutsche Volkshochschulverband (DVV) fordert daher, die Grundbildung mit in die Leistungen der Arbeitsförderung aufzunehmen. „Grundbildung kann maßgeblich dazu beitragen, die Sockelarbeitslosigkeit zu verringern und mehr Menschen in existenzsichernde Arbeit zu bringen. Dies würde die Arbeitslosenversicherung entlasten und die sozialen Transferkosten von Bund und Kommunen senken“, verdeutlicht Gundula Frieling, stellvertretende Direktorin des DVV.

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Die BAGFW fordert einen Entwicklungsschub in der aktiven Arbeitsmarktpolitik

(01.10.2018) In ihrer Stellungnahme zum Qualifizierungschancengesetz begrüßt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) die Absicht des Gesetzes; die Fort- und Weiterbildung von zu erleichtern. Vor dem Hintergrund „des digitalen Wandels der Arbeitswelt“ müssten Weiterbildungsangebote die „Anpassung der Qualifikationen an die Kompetenzprofile der Arbeitswelt 4.0“ unterstützen. Bildungsmaßnahmen im Bereich der sozialen Dienstleistungsberufe müssten „ebenso praxisgerecht ausgestaltet werden wie für die produzierende Wirtschaft.“

„Gleichzeitig sollten auch Maßnahmen getroffen werden, um die abschlussbezogene Weiterbildung zu stärken. Die BAGFW kritisiert, dass notwendige Ansatzpunkte zur Erleichterung der Fort- und Weiterbildung für Arbeitslose fehlen, die heute nur sehr wenig an Fort- und Weiterbildungen partizipieren und zugleich durch ihre Distanz zur betrieblichen Veränderungsprozessen in besonderer Weise darauf angewiesen sind, Zugänge zu attraktiven passgenauen Weiterbildungsmöglichkeiten zu finden.“

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Bundesregierung verkürzt die Weiterbildungspolitik auf die Arbeitsmarktperspektive

(31.08.2018) Der Weiterbildung soll künftig eine größere Bedeutung zukommen – so jedenfalls liest es sich im Koalitionsvertrag. Dort taucht der Begriff 46 mal auf. Dabei wird schnell klar: Weiterbildung wird insbesondere im Kontext von Arbeitsmarktpolitik gedacht.

Digitalisierung ist unbestritten eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen und wird auch die Arbeitswelt radikal verändern. Unter dieser Überschrift haben die Koalitionsparteien viele Absichten zusammengefasst. Dort findet sich auch das Ziel, mit einer „Nationalen Weiterbildungsstrategie“ den beruflichen Aufstieg zu erleichtern und die Beschäftigungsfähigkeit nachhaltig zu fördern. Die Regierung weckt die Erwartung, durch Bündelung aller Landes- und Bundesprogramme, die Verzahnung von arbeitsmarkt- und bildungspolitischen Instrumenten sowie den Rechtsanspruch auf Weiterbildungsberatung die „losen Enden“ zusammenzuführen. Vieles bleibt jedoch vage. Außerdem stellen sich Fragen zum Beispiel zu Bildungsfreistellung und -finanzierung: Werden die Angebote für lebenslanges Lernen künftig auch diejenigen erreichen, die sich Weiterbildung bisher schlicht nicht leisten können? In welcher Richtung soll die Bundesagentur für Arbeit beraten, wenn wir „noch“ nicht wissen, welche Fachkräfte morgen gebraucht werden?

Die Gefahr zeichnet sich ab, dass die Regierung ihre Weiterbildungspolitik zu eng auf die heutige Arbeitsmarktperspektive fokussiert und vorwiegend auf schnell verwertbares Wissen setzt. Unbedingt zu berücksichtigen sind aber auch die Folgen anderer gesellschaftlicher Transformationsprozesse und des demografischen Wandels. Was fehlt, ist eine Vision und ein ganzheitlicher Bildungsansatz im Humboldtschen Sinne, bei dem selbst und kritisch zu denken zentrale Lernziele sind.

Weiterbildung soll allen Menschen die Teilhabe an guter Erwerbsarbeit und persönlicher Entwicklung ermöglichen. Was deshalb in Zukunft gebraucht wird, sind lernmethodische Kompetenzen. Qualifizierung in diesem Sinne ist nicht nur der Schlüssel zu einer sicheren beruflichen Entwicklung auch unter Bedingungen, die sich laufend und teilweise radikal ändern. Sie ist auch die wichtigste Voraussetzung für die Integration von Menschen, die zu uns kommen, um hier in Sicherheit leben zu können. Der Anspruch des lebenslangen Lernens muss deshalb das gesamte Bildungssystem in den Blick nehmen und darauf abzielen, dass die Stationen des Lernens wie Zahnräder ineinandergreifen. Das setzt ein grundlegendes Umdenken voraus.

Von Anne Voss


Quelle: biwifo report 2/2018


  • biwifo report 2/2018 (pdf-Datei)
  • Schlagworte zu diesem Beitrag: Öffentliche Beschäftigungspolitik, Qualifizierung

    Deutschland auf dem Weg zur Bildungsrepublik?

    (11.06.2018) Das Ressort Bildungspolitik in ver.di hat eine Stellungnahme zur Bildungspolitik im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung erarbeitet. Dem Ansatz, der Bildungspolitik einen deutlich höheren Stellenwert zuzuschreiben, wird positiv bewertet.

    „Die Struktur der Vereinbarung ist allerdings wenig transparent. So werden Bildungsthemen einerseits in verschiedenen Abschnitten der Koalitionsvereinbarung abgehandelt – vorrangig in IV. „Offensive für Bildung, Forschung und Digitalisierung“ aber auch in V. „Gute Arbeit, breite Entlastung und soziale Teilhabe sichern“ – sowie am Rande auch in weiteren Abschnitten. Zum anderen werden meist kleinteilig einzelne Vorschläge unterbreitet, die unsystematisch präsentiert werden. Die in den einzelnen Abschnitten zu Bildung aufgeführten Punkte wirken daher zum Teil wie eine Ansammlung verschiedener, unsortierter Vorhaben.“

    Wir dokumentieren hier den Bereich zur Weiterbildung.

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    DGB fordert Aktionsprogramm gegen Langzeitarbeitslosigkeit

    (19.02.2018) Die Arbeitslosigkeit insgesamt und die Zahl der Langzeitarbeitslosen sinken. Der Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit beruht ausschließlich darauf, dass weniger Kurzeitarbeitslose zu Langzeitarbeitslosen werden, also weniger Arbeitslose so lange arbeitslos bleiben, dass sie die 12-Monats-Grenze überschreiten.

    Der Markt wird das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit nicht lösen. Eine neue Bundesregierung ist dringend aufgefordert, den Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit zu einem Schwerpunkt der Arbeit zu machen. Die Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung, insbesondere solche, mit denen ein Berufsabschluss nachgeholt werden kann, müssen deutlich ausgeweitet werden.

    Das fordert der DGB in seinem Aktionsprogramm zur Langzeitarbeitslosigkeit.

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    Integration geflüchteter Menschen in Ausbildung

    (22.12.2017) In der Sitzung des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) am 13. Dezember 2017 in Bonn haben sich die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der Länder im BIBB-Hauptausschuss auf eine gemeinsame Position zur Integration geflüchteter Menschen in Ausbildung verständigt.

    In dieser Positionierung setzen sich die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Länder dafür ein, dass die Ausbildungsduldung und die weiteren dort normierten Duldungsregelungen bundeslandübergreifend einheitlich angewandt werden. Zudem sollten weitergehende Maßnahmen gewährleisten, dass abgelehnte, aber ausbildungswillige Geflüchtete und Betriebe schon frühzeitig, das heißt vor dem Zeitpunkt des tatsächlichen Ausbildungsbeginns, Planungssicherheit erhalten. Berufsvorbereitende Maßnahmen wie Einstiegsqualifizierungen (EQ) sollten für die Dauer der Maßnahme vom Abschiebeschutz umfasst werden. Dies gelte unabhängig davon, ob bereits ein Ausbildungsvertrag für eine anschließende qualifizierte Berufsausbildung geschlossen und der Nachweis einer positiven Rechtsprüfung durch die zuständige Stelle geführt wurde.

    Der Hauptausschuss ist Organ des BIBB. Ihm gehören je acht Beauftragte der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der Länder sowie fünf Beauftragte des Bundes („Bänke“) an.

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    Langzeitarbeitslose profitieren von Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung

    (20.12.2017) „Langzeiterwerbslosigkeit und eine damit verbundene lange erfolglose Arbeitsuche kann demotivierend wirken. Sie kann mit einem Verlust von Kompetenzen, des Selbstwertgefühls und der Kontrolle über das eigene Leben einhergehen. Aus diesen Gründen erscheint eine passgenaue Unterstützung zentral, um die Erwerbslosigkeit in absehbarer Zeit zu beenden.“ Daher müssten Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung (MAbE) die Chancen auf einen Job deutlich erhöhen, wenn sie gezielt eingesetzt werden. Diese Annahme überprüften die Forscher vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Ihre Ergebnisse haben sie jetzt in einem Kurzbericht veröffentlicht.

    Die Studie zeigt, dass sich die Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz und eigenes Einkommen für Teilnehmer*innen an MAbE-Maßnahmen für geförderte ALG-Bezieher*innen deutlich verbessern. „Dabei sind die Wirkungen für Teilnehmende an Maßnahmen bei einem Arbeitgeber weit höher als für Teilnehmende an Maßnahmen bei einem Träger.

    Die Eingliederungseffekte sind für Langzeiterwerbslose tendenziell höher als für Kurzzeiterwerbslose. Das gilt vor allem für die Wirkungen der Maßnahmen bei einem Arbeitgeber und dabei insbesondere in der langen Frist.“

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Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 14.12.2018