Förderung der beruflichen Weiterbildung

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) ist als Träger der aktiven Arbeitsmarktpolitik für die Förderung der beruflichen Weiterbildung zuständig.

Die Hartz-Gesetze haben zu einer deutlichen Verringerung der öffentlich geförderten beruflichen Weiterbildung geführt. Gesetzlich verankert ist die aktive Arbeitsmarktpolitik im SGB III und II.

Wir beobachten, berichten und kommentieren die Entwicklung der Förderung der beruflichen Weiterbildung aus Sicht der von arbeitsmarktpolitischen Entscheidungen Betroffenen und der Interessen der in den Trägern Beschäftigten.



Deutschkenntnisse sind ein entscheidender Faktor für die Erwerbsaufnahme Geflüchteter

(21.02.2019) In einer neuen Studie beschäftigt sich das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit der Frage, welche Kriterien als „entscheidender Erfolgsfaktor für die Arbeitsmarktintegration geflüchteter Menschen“ wirksam werden. Der alles entscheidende Faktor bleibt dabei: Deutschkenntnisse!! Alle Daten zeigen an, ohne ausreichende Deutschkenntnisse gelingt es kaum, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Für die Studie wurden geflüchtete Menschen aus Syrien und dem Irak befragt. Hier zeigt sich deutlich, dass Geschlechterrollen einen wichtigen Einfluss bei der Arbeitsaufnahme spielen. „Frauen nehmen deutlich seltener eine Erwerbs¬tätigkeit auf als Männer – und das, obwohl sie über vergleichbare deutsche Sprachkenntnisse und (ausländische) Schul- und Berufsabschlüsse verfügen“, so die Studie. Männer berichten demnach doppelt so häufig wie Frauen, dass sie bereits Erwerbserfahrungen gesammelt haben.

Die Autor*innen der Studie, Dr. Claudia Wenzig und Dr. Jonas Beste, empfehlen in diesem Zusammenhang: „Da geflüchtete Frauen bislang kaum Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt gefunden haben, sollte auch geprüft werden, ob die Angebote an Sprach- und Integrationsprogrammen oder an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sowie die Vermittlungspraxis der Bundesagentur für Arbeit ausreichen, den besonderen Bedingungen von geflüchteten Frauen gerecht zu werden. Wichtiges Ziel sollte sein, die vorhandenen Potenziale für die Erwerbsbeteiligung auszuschöpfen, damit Geflüchtete den Ausstieg aus dem Grundsicherungsbezug zunehmend schaffen.“

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Über eine Milliarde Euro für Weiterbildung verschwinden in der Verwaltung der Jobcenter

(19.02.2019)
Im Jahr 2018 wurde von den Jobcentern über eine Milliarde Euro aus Leistungen zur Eingliederung in Arbeit in das Verwaltungsbudget verschoben, 23 Prozent der Eingliederungsleistungen, so viel wie noch nie seit Einführung von Hartz IV im Jahr 2005. Im Jahr 2017 lag der Umschichtungsbetrag bei 911 Millionen Euro.

Seit Bestehen der SGB II-Jobcenter im Jahr 2005 wurden insgesamt aufsummiert 5,5 Milliarden Euro aus Eingliederungsmitteln zur Deckung von Verwaltungskosten verwendet.

Das geht aus der Antwort der Bundesregierung (PDF) auf eine entsprechende Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor.

Zimmermann erklärte zu den Umschichtungen im haushalt: "Es ist ein Skandal, dass seit Jahren Leistungen zur Eingliederung in Arbeit zum Stopfen des Haushaltsloches für die Verwaltung der Jobcenter verwendet werden und somit zur Unterstützung von Erwerbslosen nicht zur Verfügung stehen. Der Haushalt der Jobcenter muss deutlich erhöht werden. Die von der Bundesregierung angekündigte Aufstockung des Verwaltungsetats wird den Bedarf der Jobcenter nicht decken. Wieder droht ein beträchtlicher Teil des Eingliederungstitels in den Verwaltungskosten zu verschwinden."

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Mehr und mehr Geflüchtete sprechen gut Deutsch, nutzen Bildungsangebote und integrieren sich in den Arbeitsmarkt

(05.02.2019) Immer mehr Geflüchteten gelingt die Integration in das deutsche Bildungssystem und in den Arbeitsmarkt. Das zeigt eine gemeinsame Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, des Forschungszentrums des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge und des Sozio-oekonomischen Panels am DIW Berlin auf der Basis einer repräsentativen Wiederholungsbefragung von Geflüchteten, die in den Jahren 2013 bis 2016 nach Deutschland gekommen sind. In den Jahren 2016 und 2017 wurden dafür jeweils rund 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer befragt, knapp 3.000 von ihnen waren bei beiden Befragungswellen dabei.

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Mit Weiterbildung Zukunft jetzt gestalten – Das Qualifizierungschancengesetz

(21.01.2019) Die Arbeitswelt ändert sich stetig, durch die Digitalisierung beschleunigt sich der Wandel zusätzlich. Die Beschäftigten müssen Schritt halten und ihre berufliche Qualifikation weiterentwickeln. Weiterbildung ist das Gebot der Stunde. Jetzt kommt es darauf an, dieses umzusetzen.

Für Weiterbildung sind in erster Linie die Unternehmen zuständig. Erfahrungen zeigen, viele Unternehmen machen nur das betrieblich Notwendige. Mit dem neuen Qualifizierungschancengesetz wird es möglich, Weiterbildung stärker aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung zu fördern. Hierdurch soll es den Unternehmen erleichtert werden, den Beschäftigten mehr Weiterbildung anzubieten. Auch Betriebsräte können die Qualifizierung von Belegschaften unterstützen. Sie können mit dem Arbeitgeber zum Beispiel Qualifizierungspläne erarbeiten. Dieser Ratgeber erläutert die neuen Möglichkeiten und finanziellen Hilfen des „Gesetzes zur Stärkung der Chancen für Qualifizierung und für mehr Schutz in der Arbeitslosenversicherung“ (Qualifizierungschancengesetz).

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Sprache und Qualifizierung sind die größten Hürden bei der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten

(27.12.2018) Was muss geschehen, damit Geflüchtete dauerhaft eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben sollen? Das wollten die Forscher vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wissen. Dazu befragten Sie Vermittler in den Arbeitsagenturen und Jobcentern, die in letzter Zeit geflüchtete Menschen verstärkt bei der Suche nach Job’s unterstützen.

Als wesentliches Hindernis bei der Suche nach bezahlten Arbeitsplätzen „Geflüchteten identifizieren die Befragten geringe Deutschkenntnisse, nicht verwertbare Qualifikationen sowie die Unkenntnis über Rollenvorstellungen, Sitten und Gebräuche am deutschen Arbeitsmarkt“. Ausreichende Sprachkenntnisse seien entscheidend „für die gesellschaftliche Integration und für den Erwerb formaler Qualifikationen“. Sie sehen es als wichtige Aufgabe an, Geflüchtete „beim allgemeinen und berufsfachlichen Spracherwerb zu unterstützen“. Die Mehrheit der Befragten geht aufgrund der „identifizierten Integrationshemmnisse“ davon aus, „dass die Geflüchteten eher in direkte Konkurrenz zu anderen Migrantengruppen als zu einheimischen Arbeitskräften treten“.

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Weiterbildung braucht Weiterentwicklung

(17.12.2018) Nur wenige gesellschafts-, sozial- und wirtschaftspolitische Ziele finden einen so breiten Konsens wie die Forderung, die berufliche Bildung zu stärken. ver.di begrüßt deshalb die Initiative der Bundesregierung für eine nationale Weiterbildungsstrategie unter Einbeziehung der Sozialpartner*innen. Von der jeweiligen Qualifikation hängen aber auch die individuellen Arbeits- und Lebensbedingungen, das Einkommen, die Sicherheit des Arbeitsplatzes, die beruflichen und persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten und die Mitbestimmungschancen ab.

Perspektivisch setzt ver.di deshalb auf ein Weiterbildungsgesetz auf Bundesebene. Es soll Zugangsmöglichkeiten, Lernzeiten und deren Finanzierung, Beratung und Qualitätsstandards regeln.

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Wenn Erwerbslose an Weiterbildung teilnehmen, profitieren davon auch ihre Kinder

(11.12.2018) Wenn die Eltern häufiger erwerbslos waren, sind auch die Kinder später stärker von Erwerbslosigkeit betroffen. In der Forschung nennt sich dieser Effekt „Übertragung von Arbeitsmarktrisiken“. Bekannt ist zudem, dass Weiterbildung die Chancen auf sozialversicherungspflichtige Beschäftigung deutlich erhöhen.

Die Arbeitsmarktforscherin Cordula Zabel wollte wissen, ob sich dieser positive Effekt von Weiterbildung nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kinder lohnt. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder von mit beruflicher Weiterbildung geförderten Eltern „eine Ausbildung und üben öfter eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit aus als die Kinder einer Vergleichsgruppe von Arbeitslosengeld-II-Empfängern“.

„Insgesamt weisen die Ergebnisse bereits vorliegender Studien darauf hin, dass es sich lohnt, in die Weiterbildungs- und Beschäftigungschancen von ALG-II-Beziehenden zu investieren. Diese Studie zeigt, dass neben den positiven Beschäftigungseffekten für die Teilnehmenden selbst eine Maßnahmeteilnahme auch die Weitergabe von Arbeitsmarktrisiken an die nächste Generation verringert“, so Zabel im IAB-Kurzbericht 27/2018.

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Arbeitsplatz Weiterbildung im Blick!

(27.11.2018) Fachtagung für Betriebsräte, Mitarbeitervertretungen und SBV in der Weiterbildung und der beruflichen Rehabilitation in Zeiten der Digitalisierung.

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Im Gesetz fehlt es vor allem an rechtlichen Ansprüchen zur Weiterbildung

(19.11.2018) Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber haben zukünftig einen Rechtsanspruch darauf, sich von den Arbeitsagenturen in Fragen der Weiterbildung und Qualifizierung beraten zu lassen. Zudem wird die Förderung der beruflichen Weiterbildung von Beschäftigten bei Fortbestand ihres Arbeitsverhältnisses ausgeweitet. Zukünftig können mehr Beschäftigte gefördert werden, da die Fördervoraussetzungen weiter gefasst werden. Diese beiden Neuerungen stellen einen bedeutsamen arbeitsmarktpolitischen Fortschritt dar. Weiterbildungsberatung und die ausgeweiteten Qualifizierungsmöglichkeiten für Beschäftigte tragen dazu bei, dass Beschäftigte die neuen Anforderungen aufgrund der Digitalisierung und des Strukturwandels besser meistern können und Arbeitslosigkeit präventiv vermieden werden kann.

Der DGB fordert jedoch, die neue Weiterbildungsberatung und die neuen Fördermöglichkeiten der Weiterbildung auch mit Rechtsansprüche auf Fördermaßnahmen zu verknüpfen: Ist eine Qualifizierung notwendig, um einen neuen Arbeitsplatz zu finden oder um Beschäftigung zu erhalten und Arbeitslosigkeit zu vermeiden, dann sollte auch ein Anspruch auf eine entsprechende Fördermaßnahme bestehen. Arbeitslose und Beschäftigte ohne (verwertbaren) Berufsabschluss sollten auf jeden Fall das Angebot bekommen, einen Abschluss nachholen zu können.

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Bundesregierung will eine neue Weiterbildungskultur etablieren und qualifizierte Zuwanderung fördern

(13.11.2018) Alle paar Wochen benötigten gängige Smartphones ein neues Update. Nach Ansicht der Bundesbildungsministerin Anja Karliczek „ein Zeichen, wie zügig Fortschritt stattfindet“. Da benötige jede/r regelmäßig ein Update für seinen Arbeitsalltag. Zudem müsse dem Mangel an ausgebildeten Arbeitskräften mit einer ausgefeilten Fachkräftestrategie begegnet werden. In dieser Strategie bilde die Weiterbildung „ein Kernelement“.

Anpassungsprozesse der Wirtschaft bestimmen in dieser Sichtweise die Inhalte von Bildung und Lernen. Karliczek weiter: „Auch der Arbeitsalltag eines jeden Einzelnen verändert sich und verlangt Updates. Mir ist wichtig, dass wir jedem Einzelnen mit guten Weiterbildungschancen das passende Update anbieten können.“

Eine neue Weiterbildungskultur nennt das die Bundesregierung. Und macht sich auf den Weg zu „einer Nationalen Weiterbildungsstrategie“. „Fort- und Weiterbildungen müssen für jeden Einzelnen eine Selbstverständlichkeit werden!“, so Karliczek. Hubertus Heil als Sozialminister pflichtet ihr bei und meint gar: „Deutschland muss noch stärker als bisher zu einem Qualifizierungsland werden, zu einem Land des Lernens.“

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10 Milliarden Euro für arbeitsmarktpolitische Aufgaben

(12.11.2018) Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat ihren Haushalt für 2019 beschlossen. Trotz einer Beitragssenkung um 0,5 Prozentpunkte steigen die Mittel für Weiterbildungsmaßnahmen von 1,66 Milliarden auf 2,10 Milliarden.

Mit dem geplanten Qualifizierungschancengesetz kann die BA nach eigenen Angaben Beschäftigte und Arbeitgeber noch umfangreicher bei Qualifizierungsmaßnahmen finanziell unterstützen und mit ihrer Arbeitsmarkt- und Qualifizierungsberatung bzw. Weiterbildungsberatung begleiten.

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Weiterbildung für (fast) alle – Gesetz will neue Perspektiven bieten

(19.10.2018) Weiterbildung für Alle ist nicht nur zu einer entscheidenden Frage der Innovationsfähigkeit des Landes, sondern immer mehr auch zu einer Frage von sozialer Gerechtigkeit geworden. In diesem Zusammenhang reicht das geplante Qualifizierungschancengesetz „letztendlich nicht aus, um die Veränderungen in der Arbeitswelt für die Beschäftigten positiv zu begleiten.“ Zu dieser Einschätzung gelangt das Ressort „Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik“ von ver.di in der sopoaktuell 276.

Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung und Förderung. Weiterbildung ist nach wie vor selektiv und verstärkt die soziale Ungleichheit. Der geplante Rechtsanspruch auf Weiterbildungsberatung ist ein Schritt in die richtige Richtung, reicht aber bei weitem nicht aus, um „in Deutschland eine verbesserte Weiterbildungskultur zu etablieren“.

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Deutscher Volkshochschul-Verband fordert Ausbau der Arbeitsförderung

(18.10.2018) Bundesweit können mehr als 7,5 Millionen Erwachsene nicht ausreichend lesen und schreiben. Unter ALG-Beziehern beträgt die Quote sogar knapp 36 Prozent. Sofern Betroffene im Erwerbsleben stehen, gehen sie meist einfachen Tätigkeiten nach. Ihr Einkommen reicht oft nicht zum Leben, berufliche Aufstiegschancen sind gering.

Der Deutsche Volkshochschulverband (DVV) fordert daher, die Grundbildung mit in die Leistungen der Arbeitsförderung aufzunehmen. „Grundbildung kann maßgeblich dazu beitragen, die Sockelarbeitslosigkeit zu verringern und mehr Menschen in existenzsichernde Arbeit zu bringen. Dies würde die Arbeitslosenversicherung entlasten und die sozialen Transferkosten von Bund und Kommunen senken“, verdeutlicht Gundula Frieling, stellvertretende Direktorin des DVV.

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Die BAGFW fordert einen Entwicklungsschub in der aktiven Arbeitsmarktpolitik

(01.10.2018) In ihrer Stellungnahme zum Qualifizierungschancengesetz begrüßt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) die Absicht des Gesetzes; die Fort- und Weiterbildung von zu erleichtern. Vor dem Hintergrund „des digitalen Wandels der Arbeitswelt“ müssten Weiterbildungsangebote die „Anpassung der Qualifikationen an die Kompetenzprofile der Arbeitswelt 4.0“ unterstützen. Bildungsmaßnahmen im Bereich der sozialen Dienstleistungsberufe müssten „ebenso praxisgerecht ausgestaltet werden wie für die produzierende Wirtschaft.“

„Gleichzeitig sollten auch Maßnahmen getroffen werden, um die abschlussbezogene Weiterbildung zu stärken. Die BAGFW kritisiert, dass notwendige Ansatzpunkte zur Erleichterung der Fort- und Weiterbildung für Arbeitslose fehlen, die heute nur sehr wenig an Fort- und Weiterbildungen partizipieren und zugleich durch ihre Distanz zur betrieblichen Veränderungsprozessen in besonderer Weise darauf angewiesen sind, Zugänge zu attraktiven passgenauen Weiterbildungsmöglichkeiten zu finden.“

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Bundesregierung verkürzt die Weiterbildungspolitik auf die Arbeitsmarktperspektive

(31.08.2018) Der Weiterbildung soll künftig eine größere Bedeutung zukommen – so jedenfalls liest es sich im Koalitionsvertrag. Dort taucht der Begriff 46 mal auf. Dabei wird schnell klar: Weiterbildung wird insbesondere im Kontext von Arbeitsmarktpolitik gedacht.

Digitalisierung ist unbestritten eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen und wird auch die Arbeitswelt radikal verändern. Unter dieser Überschrift haben die Koalitionsparteien viele Absichten zusammengefasst. Dort findet sich auch das Ziel, mit einer „Nationalen Weiterbildungsstrategie“ den beruflichen Aufstieg zu erleichtern und die Beschäftigungsfähigkeit nachhaltig zu fördern. Die Regierung weckt die Erwartung, durch Bündelung aller Landes- und Bundesprogramme, die Verzahnung von arbeitsmarkt- und bildungspolitischen Instrumenten sowie den Rechtsanspruch auf Weiterbildungsberatung die „losen Enden“ zusammenzuführen. Vieles bleibt jedoch vage. Außerdem stellen sich Fragen zum Beispiel zu Bildungsfreistellung und -finanzierung: Werden die Angebote für lebenslanges Lernen künftig auch diejenigen erreichen, die sich Weiterbildung bisher schlicht nicht leisten können? In welcher Richtung soll die Bundesagentur für Arbeit beraten, wenn wir „noch“ nicht wissen, welche Fachkräfte morgen gebraucht werden?

Die Gefahr zeichnet sich ab, dass die Regierung ihre Weiterbildungspolitik zu eng auf die heutige Arbeitsmarktperspektive fokussiert und vorwiegend auf schnell verwertbares Wissen setzt. Unbedingt zu berücksichtigen sind aber auch die Folgen anderer gesellschaftlicher Transformationsprozesse und des demografischen Wandels. Was fehlt, ist eine Vision und ein ganzheitlicher Bildungsansatz im Humboldtschen Sinne, bei dem selbst und kritisch zu denken zentrale Lernziele sind.

Weiterbildung soll allen Menschen die Teilhabe an guter Erwerbsarbeit und persönlicher Entwicklung ermöglichen. Was deshalb in Zukunft gebraucht wird, sind lernmethodische Kompetenzen. Qualifizierung in diesem Sinne ist nicht nur der Schlüssel zu einer sicheren beruflichen Entwicklung auch unter Bedingungen, die sich laufend und teilweise radikal ändern. Sie ist auch die wichtigste Voraussetzung für die Integration von Menschen, die zu uns kommen, um hier in Sicherheit leben zu können. Der Anspruch des lebenslangen Lernens muss deshalb das gesamte Bildungssystem in den Blick nehmen und darauf abzielen, dass die Stationen des Lernens wie Zahnräder ineinandergreifen. Das setzt ein grundlegendes Umdenken voraus.

Von Anne Voss


Quelle: biwifo report 2/2018


  • biwifo report 2/2018 (pdf-Datei)
  • Schlagworte zu diesem Beitrag: Öffentliche Beschäftigungspolitik, Qualifizierung

    Deutschland auf dem Weg zur Bildungsrepublik?

    (11.06.2018) Das Ressort Bildungspolitik in ver.di hat eine Stellungnahme zur Bildungspolitik im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung erarbeitet. Dem Ansatz, der Bildungspolitik einen deutlich höheren Stellenwert zuzuschreiben, wird positiv bewertet.

    „Die Struktur der Vereinbarung ist allerdings wenig transparent. So werden Bildungsthemen einerseits in verschiedenen Abschnitten der Koalitionsvereinbarung abgehandelt – vorrangig in IV. „Offensive für Bildung, Forschung und Digitalisierung“ aber auch in V. „Gute Arbeit, breite Entlastung und soziale Teilhabe sichern“ – sowie am Rande auch in weiteren Abschnitten. Zum anderen werden meist kleinteilig einzelne Vorschläge unterbreitet, die unsystematisch präsentiert werden. Die in den einzelnen Abschnitten zu Bildung aufgeführten Punkte wirken daher zum Teil wie eine Ansammlung verschiedener, unsortierter Vorhaben.“

    Wir dokumentieren hier den Bereich zur Weiterbildung.

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