Lebenslanges Lernen

Die Forderung nach Lebenslangem Lernen ist bei Bildungspolitikern in aller Munde. Der Weg dorthin scheint steinig zu sein. Einmal hapert es am richtigen Weg, dann an der Finanzierung, zum Schluss an der Zuständigkeit.

Wie soll die Weiterbildung zur vierten Säule des Bildungssystems ausgebaut werden? An Vorschlägen mangelt es nicht. Am Mut der politisch Verantwortlichen schon eher.

Neben der aktuellen Entwicklung der bildungspolitischen Diskussion, die wir hier dokumentieren, finden Sie weiterführende Texte unter Grundsätze zur Weiterbildung.



Schlecht bezahlt oder irgendein Honorar so um die 20 Euro

(01.08.2018) Mit einer Kleinen Anfrage versuchte die Fraktion der GRÜNEN im niedersächsischen Landtag, ein wenig mehr über den Umfang und die soziale Lage von Honorarkräften im Bildungsbereich zu erfahren. Die Landesregierung hat natürlich alle Möglichkeiten ausgeschöpft, so wenige Informationen wie möglich an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Trotzdem sind die Antworten durchaus interessant.

So heißt es z. B. zu den Lehrbeauftragten an Hochschulen, von denen es „mehrere Tausend“ gäbe: „Lehraufträge an Universitäten und Hochschulen werden nach geleisteten Lehrstunden vergütet. Mit dieser Stundenvergütung sind alle Kosten, die der oder dem Lehrbeauftragten entstehen, abgegolten. Die Vergütung für Lehraufträge ist weder gesetzlich noch untergesetzlich allgemein festgelegt. Vielmehr entscheiden die Universitäten und Hochschulen nach eigenem Ermessen über die Höhe der Lehrauftragsvergütung.“ Das war’s. Das Ministerium gibt keine Information darüber, was denn nun konkret gezahlt wird. Und welcher Arbeitsumfang an so eine „Lehrstunde“ geknüpft ist.

Ganz anders soll die Sache bei Geflüchteten aussehen. Dort bietet die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen (LAB NI) sogenannte Wegweiserkurse für Kinder und Jugendliche an, um sie auf die Regelschule vorzubereiten. Zur Bezahlung heißt es dort: „Die durchschnittliche Bruttovergütung der in der LAB NI eingesetzten Honorarkräfte beträgt 20,00 Euro pro 45 Min., d. h. 26,67 Euro pro Stunde.“ Offensichtlich ist das Ministerium des Innern der Meinung, dass solche Vorbereitungskurse weder Vor- noch Nachbereitung nötig haben. Bei einer normalen Vor- und Nachbereitung müssen für eine Unterrichtsstunde 1,5 Zeitstunden angesetzt werden. Der echte Stundenlohn wäre dann nicht 26,67 Euro, sondern 13,33 Euro. Was der Realität deutlich näherkäme.

Noch merkwürdiger wird es im Justizressort. Dort werden je nach Justizvollzugsanstalt offensichtlich unterschiedliche Honorare gezahlt. „Im Geschäftsbereich des MJ variiert die Bruttovergütung pro Unterrichtsstunde zwischen 17 Euro in der Justizvollzugsanstalt Celle über 20 Euro in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel sowie 25 Euro in der Justizvollzugsanstalt Oldenburg bis 30 Euro in der Jugendanstalt Hameln (Durchschnitt über alle Anstalten: 23 Euro pro Unterrichtsstunde).“ Eine auch nur ansatzweise Erklärung für die unterschiedliche Behandlung der Lehrkräfte wird nicht gegeben.

Dagegen wird die Behauptung aufgestellt, dass sich Volkshochschulen an den Aufwendungen für die Sozialversicherung beteiligen würden. „In Fachbereichen, in denen Lehrkräfte einen wesentlichen Stundenumfang erreichen - das sind in der Regel die Programmbereiche Deutsch als Fremdsprache oder der Zweite Bildungsweg - beteiligen sich Volkshochschulen bzw. die Träger zum Teil im Rahmen ihrer jeweiligen Honorarordnung an den Sozialversicherungsbeiträgen.“ Wer gerne gewusst hätte, um welche Volkshochschulen es sich hier handelt und wie hoch die Beteiligung ausfällt, dem wird durch diese Landesregierung nicht geholfen. Dazu findet sich nichts in der Antwort.

Da sollte doch mal weiter nachgefragt werden.

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Qualitätsmanagement in der Weiterbildung wirkt

(11.05.2018) Die Wirkung von Weiterbildungsangeboten ist schwer abzuschätzen. Qualitätsmanagementsysteme (QMS) stammen ursprünglich aus der Industrie stammende und sind als prozessorientierte Verfahren zur Sicherstellung der Produktqualität gedacht. Im Zuge der Debatte über die Qualität in der Weiterbildung zogen ab den 1990-Jahren QMS auch in den Weiterbildungsbereich Einzug ein.

Inzwischen sind QMS inzwischen Voraussetzung bei der Vergabe von Aufträgen, die mit öffentlichen Mitteln bestritten werden. Dass hat zur starken Verbreitung von QMS in der Weiterbildung beigetragen. Der wbmonitor hat 2017 seinen Schwerpunkt der Befragung auf die QMS gesetzt. Nach Meinung von 80 Prozent der befragten Weiterbildungsanbieter hat sich „durch den Einsatz von QMS die Qualität ihrer Organisationsstrukturen und -prozesse sowie die Qualität ihres Angebots verbessert“. Doch gesicherte Erkenntnisse über die Verbesserung der eigentlichen Lehr-/Lernprozesse werden mit den Systemen weiterhin nicht abgebildet.

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Zahl der Studierenden ohne Abitur hat sich seit 2010 verdoppelt

(12.04.2018) Gegenwärtig studieren 57.000 Menschen, ohne eine allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife zu besitzen. Damit stellen sie gerade einmal 2,6 Prozent aller Student*innen an den deutschen Hochschulen. Generelle Voraussetzung für die Bewerbung um einen Studienplatz ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife ist fächerübergreifend eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie der Nachweis von Berufserfahrung.

Trotz der doch recht niedrigen Zahl von Student*innen ohne Hochschulreife spricht der CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele von einem Rekordwert, der bald Standard werden könnte: „Die Kombination von Berufs- und Hochschulbildung wird immer mehr zum Normalfall. Man muss sich nicht mehr für nur einen Weg entscheiden. Gelernte Krankenpfleger oder Handwerksmeisterinnen sind heute keine Exoten mehr auf dem Campus, sondern gehören zur selbstverständlichen Vielfalt der Studierenden an deutschen Hochschulen.“

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Strategien zur Qualifizierung Bildungsferner

(03.04.2018) Menschen mit einer vergleichsweise geringen Grundbildung nehmen sehr wenig an Angeboten der Weiterbildung teil. Das gilt insbesondere für Formen der formalisierten Weiterbildung, wie Kursen. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat die Ergebnisse der wbmonitor-Umfrage ausgewertet und nach erfolgsversprechenden Strategien gesucht, die eine erhöhte Weiterbildungsbeteiligung befördern können.

Die wichtigste Strategie lautet: Aufmerksamkeit erregen und die Betroffenen als Zielgruppe erreichen. Daneben könnten Personen aus dem Lebensbereich als Vermittler für Weiterbildungsangebote fungieren. Zudem wären „aufsuchende“ Beratungs- und Bildungsangebote sinnvoll, „bei denen also vor Ort im eigenen Umfeld mit den betroffenen Personen Kontakt aufgenommen wird“.

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Google läuft traditionellen Weiterbildungsanbietern den Rang ab

(19.02.2018) „Nach der Schule hört das Lernen noch lange nicht auf. Wer sich als Erwachsener beruflich und persönlich weiterbilden möchte, dem bleiben nicht nur klassische Fortbildungen oder Volkshochschulen. Das Internet eröffnet dem lebenslangen Lernen neue Möglichkeiten. Für jeden Zweiten gehört Weiterbildung per Internet schon zum Alltag – vor allem bei denen, die beruflich erfolgreich sind und deren Bildungsstand ohnehin schon höher ist.“ So die Bertelsmann-Stiftung in ihrer neuen Studie „Die Weiterbildung im digitalen Zeitalter“

In ihrer Studie benennt die Stiftung fünf Trends, die nach ihrer Meinung die Weiterbildung im Bereich der digitalen Bildung prägen:

Lernende: Digitale Weiterbildung geschieht vor allem informell und online zu Hause.
Angebote und Methoden: Google & Co. laufen traditionellen Anbietern den Rang ab.
Teilhabe: Sozial Benachteiligte profitieren bisher nicht von digitaler Weiterbildung.
Lehrende: Dozenten setzen digitale Lernmedien häufig ein, lassen aber noch viel didaktisches Potenzial ungenutzt.
Weiterbildungsmarkt: Private Weiterbildungsanbieter sind öffentlich geförderten Anbietern beim digitalen Lernen oft voraus.

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Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2017 - Gute Weiterbildungspolitik ante portas?

(13.09.2017) Der Deutsche Volkshochschulverband (DVV) hat die im Bundestag vertretenen Parteien 18 Fragen zu weiterbildungsrelevanten Themen gestellt. Offensichtlicht wollte der DVV sich von der AFD abgrenzen. Darum stellte er die Fragen „nur“ an die im Bundestag vertretenen Parteien und verzichtete dabei auf Antworten der FDP. Dumm, denn die FDP schwingt sich gerade zur „Bildungspartei“ auf und genau deren Antworten wären interessant gewesen.

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